Beispiele für angewandtes Report Design

Viel wurde hier im Blog über die wichtigsten Regeln und Lösungsansätze für gutes Report Design geschrieben. Ergänzend werden in diesem Beitrag zwei klassische Umsetzungsbeispiele vorgestellt, die in ähnlicher Form sehr häufig in Berichten zu finden sind.

Tabellarischer Plan-Ist-Vergleich

Das erste Beispiel zeigt eine tabellarische Gegenüberstellung von Plan- und Ist-Ergebnissen für alle Standorte eines Landes. Tabellen dieser Art finden sich in fast jedem Monatsbericht. Häufig sind sie aber mit vielen Spalten und langen Zahlen so überfrachtet, dass die Leser sie nur mit großer Mühe interpretieren können. In Abb. 1 wurde der Inhalt so gestaltet, dass die wichtigsten Inhalte sofort auffallen. Dafür sorgen die Visualisierungsspalten. Bereits nach wenigen Sekunden wird klar, dass es eine wesentliche negative Abweichung in Frankfurt gibt. Die Spalten mit den Basisdaten (VJ, PL, IST) und den daraus abgeleiteten Abweichungen sind ebenfalls schnell erfassbar. Das gelingt durch kurze Zahlen (hier in Mio.), kurze Spaltentitel sowie leichtes Design, ohne unnötige Linien oder Hintergrundfarben.

Diese Tabelle priorisiert ganz klar die absolute Abweichung vom Plan. Ausgewählte Zusatzinformationen werden dezent mit angezeigt, lenken aber nicht vom Wesentlichen ab.

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Abb. 1: Plan-Ist-Vergleich nach Standorten; EBIT in Mio. EUR

Konzernübersicht Umsatz-Ergebnis-Margen

Die Konzernübersicht (siehe Abb. 2) zeigt auf einer Seite die mittelfristige Entwicklung von Umsatz, EBIT und Margen in allen Ländern. Solche Übersichtsseiten eignen sich sehr gut für einen vorangestellten Zusammenfassungsteil in Berichten. Sie verdeutlichen schnell, welche wesentlichen positiven und negativen Entwicklungen vorliegen. Auf weiteren Seiten folgen dann die relevanten Details zu einzelnen Ländern, Projekten, Kostenarten usw. Ohne sinnvolle Überblicksseiten sind Manager gezwungen sich mit Details zu befassen, ohne das Gesamtbild zu kennen. Dabei wird zu viel Zeit mit unwesentlichen Dingen verbracht. Oft fehlt diese Zeit dann später, wenn der Berichtsempfänger endlich zu den wesentlichen, handlungsrelevanten Informationen vorgedrungen ist. Gute Übersichtsseiten zeigen das unverfälschte Gesamtbild. Sie helfen den Blick auf das Wesentliche zu richten sowie Zeit und Ressourcen richtig einzuteilen.

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Abb. 2: Konzern nach Ländern; Umsatz und EBIT in Mio. EUR, Marge in %

 

Häufig werden solche Übersichtsseiten in der Praxis nicht konsequent genug umgesetzt und verfehlen dadurch ihr Ziel. Viele kleine Diagramme zu erstellen, verursacht bei Berichtsersteller mehr Aufwand als ein großes Diagramm mit vielen Datenreihen. Die „Small Multiples“ sind aber für den Empfänger wesentlich besser zu verstehen. Der Mehraufwand ist also eine wertvolle Dienstleistung. Besondere Bedeutung hat der einheitliche Maßstab für alle Diagramme. Ohne ihn geht das Gesamtbild verloren. Die ganze Seite würde ihren Wert verlieren. Daher sollte der Maßstab auch dann durchgehalten werden, wenn kleine (unwesentliche) Werte kaum noch erkennbar sind. Das Gesamtbild hat hier oberste Priorität.

Die abgebildeten Kennzahlen sollen natürlich für die Empfänger interessant und entscheidungsrelevant sein. Die absolute Verteilung der Umsätze im Konzern ist dem Vorstand meist gut bekannt und daher in monatlichen Berichten nicht besonders interessant. In solchen Fällen können Übersichtsseiten z. B. Ergebnisse, Abweichungen, Margen oder andere Kennzahlen thematisieren. Dabei sind Prozentwerte (z. B. Umsatzwachstum in Prozent) hinsichtlich der Skalierung oft günstiger als Absolutwerte. Das wichtigste Ziel und Qualitätskriterium jeder einzelnen Seite ist ein hoher Informationswert für die Empfänger.

Verbesserungspotenzial hinsichtlich des Reporting-Designs gibt es praktisch in jedem Unternehmen. Erste Umsetzungsschritte sind erfahrungsgemäß mit wenig Aufwand und geringem Risiko machbar.

Davon profitieren alle Beteiligten. Durchdachtes Berichtsdesign in der gezeigten Form vermittelt nicht nur Fakten sondern auch das gute Gefühl, alle wichtigen Informationen verstanden zu haben.

Sketchnote: The way of reporting re-design

Sketchnote The Steps of Reporting Re-design

 

 

Undankbares Handwerk entspannt Berichtsempfänger

Die Visualisierung von Informationen ist, aus handwerklicher Sicht, anspruchsvolle Typografie. Aus einem einfachen Grund ist dieses Handwerk zuweilen recht undankbar: Das typografische Produkt selbst soll beim Wahrgenommen-Werden quasi auf den Inhalt hin durchsichtig sein, ohne dass seine Anwesenheit bewusst wird. Sobald die typografische Gestaltung einer Seite, eines Reports selbst Gegenstand der Aufmerksamkeit des Lesers wird, stimmt in der Regel irgendetwas nicht.

 

Typografie ist dann gut, wenn man von ihrem Vorhandensein keine Kenntnis nimmt. Das gilt zumindest für den Berichtsempfänger, der sich mit der Bedeutung des Inhalts befasst und nicht mit seiner Form.

 

Die Richtigkeit der Behauptung zeigt sich im Umkehrschluss: Wenn beim Erfassen des Inhalts die Gestaltung zum bewusst wahrgenommenen Gegenstand wird, ist eine Konzentration auf den Inhalt nicht möglich. Der Leser ermüdet schneller, die Konzentration ist nimmt rapide ab. Der Typograf spricht von nicht mehr von der Augenweide, sondern vom Augenpulver.

Zeilen- und Spaltenabstände beeinflussen die Wirkung von Berichten, meist eine Kombination aus Diagramm, Tabelle und Text, enorm. Gleichzeitig sind die Regeln relativ einfach in der täglichen Arbeit zu berücksichtigen.

Richtschnur Zeilenabstand

Beim Lesen hangelt sich das Auge an der Zeile entlang. Der richtige Zeilenabstand hilft ihm dabei. Der Zeilenabstand ist die Schriftgröße zuzüglich des Durchschusses einer Schrift. Er wird von der Mittellängen-Unterkante einer Zeile zur nächsten gemessen. Als Ideal für den Leser gilt für den Zeilenabstand die Formel Schriftgröße plus 20% der Schriftgröße (Durchschuss). In den üblichen Software-Programmen ist ein Durchschuss von 20% der Schriftgröße als Standard voreingestellt.

 

 

Spaltenabstände im Text

Der Spaltenabstand ist in der Regel keine voreingestellte Standardgröße. Er wird individuell vom Ersteller festgelegt. Hier kann man sich typografische Erfahrung zunutze machen.

Ist der Spaltenabstand zu eng gewählt, erhält man sehr schnell Augenpulver. Bei einem zu weit gewählten Abstand nimmt das Auge Spalten als nicht zusammen gehörig war. Ein guter Spaltenabstand lässt sich leicht erzeugen, entspricht er doch den Kleinbuchstaben (Minuskeln oder auch Gemeinen) „m“ und „i“ der jeweiligen Schriftgröße.

 

 

Dies gilt nicht allein für Textspalten, sondern lässt sich auch direkt auf Zahlenkolonnen anwenden.

 

 

Umgang mit Abständen in Tabellen

Der ideale Zeilen- und Spaltenabstand für einen als zusammen gehörig empfundenen Text ist jetzt bekannt und lässt sich in der Regel auch leicht in Tabellen umsetzen. Hier die sichtbaren Unterschiede anhand eines einfachen Excel-Beispiels:

 

 

Die Lesbarkeit in den beiden oberen Varianten ist eingeschränkt. Das Auge des Lesers wird relativ schnell ermüden. Die Konzentration auf den Inhalt benötigt größere Anstrengungen als im folgenden Beispiel, welches den oben genannten Regeln folgt.

 

 

Diese Tabelle ist nach den obigen Faustregeln gegliedert. Der Tabellenkopf enthält häufig die meisten Textzeichen. Es ist durchaus üblich diese bis zu 2 Punkt kleiner als die Schriftgröße des Korpus zu setzen. Zeilenabstände, die ein Vielfaches bzw. Halbes der Schriftgröße sind, eignen sich häufig besser zur Gliederung als Linien. Die einzelnen Zahlenkolonnen haben das gleiche Zeichenformat. Alle sind rechtsbündig ausgerichtet.

 

Sie sehen, Typografie ist häufig keine kreative Kunst, eher ein Handwerk. Es ist die gezielte Umsetzung von Erfahrungsregeln und die Anwendung spezialisierter Techniken.

 

Der ganze Aufwand, das ganze Wissen hat nur ein Ziel: Es ist am besten, wenn dem Betrachter die Tatsache, dass das Betrachtete Ergebnis eines Gestaltungsprozesses ist, gar nicht auffällt. Doch auch hier gilt, das Einfache ist häufig das Schwierigste. Sollten Sie mal nicht weiterkommen, wir helfen gern.