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Buchtipp: 1+1≠2 – Informations-visualisierung

Der Herbst ist eine gute Zeit nach neuen Büchern Ausschau zu halten. Im September diesen Jahres erschienen ist das Buch „1+1≠2“ von Veruschka Götz und Anna Rigamonti. Der Untertitel „Informationsvisualisierung – Missbrauch und Möglichkeiten“ weist die Richtung.

Die Autorinnen sind (Grafik-)Designerinnen und nähern sich dem Thema aus gestalterischer Sicht. Da ich mich, wie in meinem Blogbeiträgen häufiger durchblitzt, einige Jahre mit Grafikdesign beschäftigt habe, ist mir die Perspektive der Schreiberinnen sehr vertraut. Trotz der Vertrautheit mit dem Thema hat mich das Buch überrascht und begeistert.

„Informationsdesign kann Inhalte und Meinungen beeinflussen, verfälschen und manipulieren.“

Doch dieses Buch ist mehr als ein Verriss falscher Informationsgrafiken. Es liefert in 4 Teilen praxistaugliches Grundlagenwissen. Im ersten Teil wird übersichtlich die Geschichte der Datengrafik beschrieben. Interessant lesen sich die Entstehungszeiten der verschiedenen Diagrammtypen. (Kurz gefasst: Alles schon dagewesen.)

Der mittlere Abschnitt ist untergliedert in einen Grundlagenteil zur Statistik, Recherche und Struktur und in einen Basisteil Gestaltung. Eine sehr übersichtliche Beschreibung von Funktion und Form unterschiedlicher Diagrammtypologien eröffnet Teil 3. Hier haben die Schreiberinnen fundiert alle Diagrammtypen und deren Anwendung beschrieben und in vielen Beispielen visualisiert.

Der letzte Teil ist dem Missbrauch von Informationsgrafiken gewidmet. Auch hier findet der Leser sehr gute Beispiele und Beschreibungen, worin konkret die Manipulation besteht. Informationsvisualisierung wird beschleunigt durch die allgegenwärtige Digitalisierung. Die Designerinnen tragen diesem Umstand Rechnung und äußern sich am Ende des Buches zu verschiedenen Navigationstypologien und digitaler Manipulation.

Die Grafik zum Thema „Übergewicht durch zu günstige Kinotickets“ ist mein persönlicher Favorit für die Absurditäten-Charts der Infografiken. 🙂

 

Fazit

Das Buch empfiehlt sich einer breiten Leserschaft. Nutzer von Informationsvisualisierungen (das sind wir ja fast alle) können unterhaltsam ihren kritischen Sachverstand schärfen. Ersteller von Informationsvisualisierungen erhalten übersichtlich und praxistauglich konkrete Arbeitshinweise. Die thematische Bandbreite und das fundierte Fachwissen machen das Buch für den Einsteiger ebenso lesenswert wie für den fortgeschrittenen Informationsvisualisierer.

Die Autorinnen schreiben „der Informationsdesigner darf nicht dem Reiz der Ästhetik verfallen, er sollte die Form vom Inhalt ableiten.“ Das Buch ist ein gelungenes Beispiel für die Umsetzung dieses hohen Anspruchs.

 

Für Interessierte

Titel 1+1≠2
Untertitel Informationsvisualisierung – Missbrauch und Möglichkeiten
Herausgeber Veruschka Götz, Anna Rigamonti
Auflage September 2015
Seiten 168
Verlag av edition GmbH, Verlag für Architektur und Design, www.avedition.de
Preis 28,00 €
ISBN 978-3-89986-228-7

 

Buchrezension: Few – Understanding What Matters in a World of Noise

Im letzten Blogartikel habe ich es angekündigt. Hier also mein Eindruck der druckfrischen Ausgabe von Stephen Fews neuem Buch:

„Bessere Entscheidungen können nur durch besseres Verständnis kommen. Informationstechnologien sind nicht der Schlüssel zu besseren Entscheidungen, das sind wir. Technologien können unser Denken erweitern, aber nicht ersetzen.
Computer haben ein neues „Datenzeitalter“ eingeläutet. Das „Informationszeitalter“ wird erst noch kommen. Wichtiger als das Sammeln von Daten ist es, das wir lernen Signale vom Rauschen zu unterscheiden.“ (Auszug) So fasst der Autor selbst den Inhalt des Buches auf der Rückseite zusammen.

Nach seinem letzten Buch „Information Dashboard Design“ beschäftigt sich Stephen Few jetzt mit der Grundlage guter Visualisierung, den Inhalten. Wie kommen wir zu guten Inhalten? Wie erkennen wir aus einer Fülle von Daten jene, die Entscheidungsrelevant sind?

Warum wäre eine „Slow data-Bewegung“ ganz nützlich?

Stephen Few teilt diesen Weg im Buch in zwei Hauptteile. Im ersten Teil geht es um Grundlagenwissen über Daten und Korrelationen. In einzelnen Kapiteln verbindet er bekannte statistische Aussagen mit betriebswirtschaftlichem Denken: Korrelationen von Kategorien, Maßnahmen; zeitliche Veränderungen; Zusammenhänge zwischen mehreren Variablen und Perspektiven. Die Darstellungen und ergänzenden Beispiele sind gewohnt einprägsam.

Als Begründung für das ausführliche Grundlagenkapitel nutzt Few ein Zitat von A. Lincoln: „Give me six hours to chop down a tree and I will spend the first four sharpening the axe.” Und fügt an:

„This is unpopular but sage advice.”

Der zweite, kürzere Teil des Buches liefert Ideen zum Installieren von Signalgebern, beschreibt wie durch Dokumentation eine nachhaltige Filterung des „Datenrausches“ nach Signale aussehen kann. Ergänzend hierzu finden sich am Ende des Buches zwei Praxisbeispiele.

Fazit

Edward Tufte fasste bereits 2006 die Erfahrung vieler in den Satz: „Design cannot rescue failed content.“ Das vorliegende Buch von Stephen Few beschäftigt sich auf gelungene Weise mit den Wurzeln guter Visualisierung.

Auf unterhaltsame, nicht aufdringliche Art vermittelt Stephen Few mit anschaulichen Beispielen eigentlich trockenes Statistikwissen. Inhaltlich sollte denjenigen, die sich täglich mit Datenanalyse beschäftigen, alles bekannt sein. Doch die gezogenen Vergleiche, Darstellungen und Fragen sind gut geeignet, das unternehmerische Denken zu schulen.

Nicht für jede statistische Korrelation besteht auch ein handlungsrelevanter, kausaler Zusammenhang. Um dies nicht zu vergessen, empfehle ich dieses Buch.

Für Interessierte

Titel Signal
Untertitel Understanding What Matters in a World of Noise
Herausgeber Stephen Few
Auflage erschienen Juni 2015
Seiten 209
Verlag Analytics Press, www.analyticspress.com
Preis 43,15 €
ISBN 978-1-938377-05-1

 

 

Buchtipp: Stephen Few – Signal

Noch druckfrisch ist das neue Buch von Stephen Few „Signal“ im Juni 2015 erschienen. Ich hatte gehofft heute schon eine Rezension veröffentlichen zu können, doch längere Lieferzeiten durchquerten diesen Plan. Sie wird also nachgereicht und an dieser Stelle daher eine einfache Inhaltsangabe.

Je mehr Daten wir anhäufen, desto schwieriger und aufwändiger wird die Suche nach nützlichen Informationen. Was sind nützliche Informationen? Zuerst einmal sind Daten nur eine Sammlung von Fakten. Durch den Kontext werden sie zu nützlichen Informationen. Oder wie Few sie nennt zu „Signalen“.

Genau um das Herausfiltern nützlicher Informationen aus großen Datenmengen geht es in diesem Buch. Laut eigener Angabe vermittelt das Buch die erforderlichen analytischen Fähigkeiten und liefert eine einfache, praktische Anleitung in der „täglichen Signalerkennung“. Er verwendet Visualisierungsmethoden, um eine umfassendes Verständnis der Daten zu gewinnen und Muster zu erkennen.

 

Hier der Blogartikel von Stephen Few zum beschriebenen Buch: http://www.perceptualedge.com/blog/?p=2046

 

Für Interessierte

Titel Signal
Untertitel Understanding What Matters in a World of Noise
Herausgeber Stephen Few
Auflage erschienen Juni 2015 (erhältlich in englischer Sprache)
Seiten 225
Verlag Analytics Press
Preis 38,95 € (gebundene Ausgabe)
ISBN ISBN-10: 1938377052; ISBN-13: 978-1938377051

 

Buchrezension: The Visual Organization

Während Few, Tufte, Cairo, Ware und viele andere vor allem effektive Visualisierung beschreiben und sich mit der Funktionsweise von Diagrammen, Charts und Infografiken auseinandersetzen, wählt Simon einen anderen Weg. In seinem Buch geht es um den Nutzen von Datenvisualisierungen für Unternehmen. Er erläutert, wie und warum eine wachsende Anzahl von Organisationen Visualisierungen von Small- und Big Data betriebswirtschaftlich nutzt.

Mit vielen Querverweisen, interessanten Links nähert sich Phil Simon in drei Teilen dem Thema. Im ersten Teil liefert der Autor Hintergrundwissen, Informationen zum heutigen Stand der Datenvisualisierung. Er geht ein auf die verfügbaren Kategorien von DataViz-Anwendungen und Diensten. Kurz wird auch das Thema berührt, wie technik- und datenversierte Mitarbeiter die Arbeitswelt verändern.

Mit Fallbeispielen untermauert Simon seine Idee der visuellen Organisation in Teil 2 des Buches konkreter. Hier benennt er Werkzeuge zur Datenanalyse und Visualisierung. Er zeigt den Unterschied auf zwischen traditioneller IT-Struktur und den Herausforderungen einer visuellen Organisation. Es geht ihm nicht um einen kompletten Umbruch vorhandener Strukturen, sondern um eine sinnvolle Weiterentwicklung, die sich aus der Einbeziehung wachsender Datenmengen ergibt.

Von der Metaebene aus betrachtet der Autor im dritten Teil verschiedene Entwicklungsstufen einer visuellen Organisation. Er stellt Schlüsselfragen, gibt Hinweise zu Best-Practice-Beispielen und räumt mit weit verbreiteten Mythen auf. In diesem Teil des Buches kommt die Praxiserfahrung von Phil Simon als Berater und ausgezeichneter Autor mehrerer Management-Bücher besonders zum Tragen. Viele Argumente und Mythen, die er aufgreift und beantwortet, sind dem am Thema interessierten Leser sicher schon begegnet. Mit einem Ausblick auf aktuelle Trends schließt dieses Buch.

Fazit

Das Buch ist unterhaltsam und flüssig geschrieben. Viele Querverweise, interessante Linktipps und Hinweise zu kostenfreien und kostenpflichtigen Tools liefern eher Denkanstöße und Entertainment, denn „abzuarbeitende Fachlektüre“. Aus meiner Sicht ist es als Einstieg in das Thema betriebswirtschaftlicher Nutzung von Daten interessant. Hier werden Möglichkeiten aufgezeigt und der Blick für das Potential des Themas geschärft.

Leser, denen das Potential welches im Thema Datenvisualisierung steckt, klar ist, geht das Buch eventuell nicht genug ins Detail. Wichtige Fragen zur Datenherkunft, Erschließung neuer Datenquellen bleiben unbeantwortet. Die Praxisbeispiele beziehen sich auf IT- bzw. Online-Unternehmen, wo klarerweise viele Daten anfallen und die effiziente Einbeziehung der Kundensicht eine elementare Rolle spielt. Die Frage nach der Relevanz für traditionelle Branchen bleibt relativ unbeantwortet. Ebenso fehlen Handlungsanleitungen zur konkreten Organisationsentwicklung.

Wie schon im ersten Absatz des Fazits geschrieben, das Buch liefert viele Fragen und Denkanstöße. Von daher lohnt sich aus meiner Sicht ein Blick in das Buch. Denn „in a world of Big Data, data visualization serves as an indispensable tool. Along with human judgment, it is perhaps the most valuable means of comprehension.”

 Für Interessierte

Titel The visual organization
Untertitel data visualization, big data, and the quest for better decisions
Herausgeber Phil Simon
Auflage erschienen Dezember 2013 (erhältlich in englischer Sprache)
Seiten 202
Verlag John Wiley & Sons, Inc., Hoboken, New Jersey
Preis 40,69 € (Print)
ISBN Print: 978-1-118-79438-8 (Hardcover); E-Book: 978-1-118-85841-7

 

Wer mehr von dem Autor lesen möchte: http://www.philsimon.com/blog/

 

 

Buchrezension: Reporting und Business Intelligence

Daten so darzustellen, dass strukturelle Zusammenhänge, relevante Eigenschaften der Daten schnell und intuitiv erfasst werden können, ist das primäre Ziel der Informationsvisualisierung. Gerade im Bereich Controlling, immer mehr auch in den Fachabteilungen, ist die Visualisierung von Geschäftszahlen Tagesgeschäft. Der vorliegende Band der Herausgeber Klein/Gräf hat sich dem Thema Reporting und BI praxisnah gewidmet.

Das Buch ist gegliedert in vier Kapitel mit insgesamt 15 Autorenbeiträgen. Es spannt den Bogen von der Konzeption eines Management Reporting über praktikable Umsetzungsregeln bis hin zur organisatorischen und technischen Einbindung in Unternehmen.

Praxiserprobte Tipps und Hinweise erhält der Leser für die Herangehensweise an die Konzeption eines Berichts. Er erfährt Gestaltungs- und Kommentierungsregeln anhand von Vorher-Nachher-Beispielen.

Spannend für Fachinteressierte ist die Betrachtung des Hichert SUCCESS-Modells aus verschiedenen Perspektiven. Einerseits wird der Einsatz in der Praxis durch M. Wolff detailliert thematisiert. Andererseits diskutieren H. Drews, S. Schilling das Konzept SUCCESS kontrovers und zeigen praktische Grenzen auf.

Das vierte Kapitel widmet sich der Visualisierung im BI-Bereich und schließt mobile BI-Lösungen ein. Der Leser bekommt in einem Großteil der Artikel einen Überblick über Anwendungen und Entwicklungen von BI geliefert. Im letzten Kapitelbeitrag erhält der Leser sehr detailliertes Excel-Wissen zum Thema Kennwortschutz vermittelt.

Fazit

Für Interessierte am Thema mit vorhandenen Basiskenntnissen gibt das Buch einen guten Überblick zum Thema. Wertvoll sind die anwendungsbereiten Gestaltungs- und Kommentierungshilfen, sowie die Anleitungen zur Konzeption eines Management Reporting. Insgesamt ist der thematische Bogen sehr weit gefasst und kann daher nicht mit allen Beiträgen genug Detailtiefe für den geübten Fachmann bieten.

Durch die unterschiedlichen Fachautoren und einen Standpunktbeitrag im Kapitel 1 ergibt sich für den Leser ein Bild der aktuellen Entwicklungen im Controlling-Bereich. Dies könnte insbesondere für fachfremde Leser von Interesse sein.

Neben hervorragenden Beispielabbildungen finden sich jedoch auch solche, die das intuitive Erfassen von Daten, das Erkennen struktureller Zusammenhänge nicht gewährleisten. Das ist schade, zumal sich alle Autoren über die hohen Anforderungen an eine Informationsvisualisierung einig sind. Hier wurde mögliches Potential verschenkt, schadet aber nicht dem Gesamtergebnis einer praxisnahen Herausgabe von Fachartikeln.

 Für Interessierte

Titel Reporting und Business Intelligence
Untertitel Berichte klar gestalten, effizient erstellen, prägnant kommentieren
Herausgeber Andreas Klein/Jens Gräf
Auflage 2. Auflage 2014
Seiten 280
Verlag Haufe-Lexware GmbH & Co.KG
Preis 69,00 € (Print)
ISBN Print: 978-3-648-04771-2; ePDF: 978-3-648-04925-9